Was ist der Unterschied zwischen ToF, Stereo Vision und Structured Light?

Kurzfassung

Time-of-Flight (ToF), Stereo Vision und Structured Light unterscheiden sich vor allem im Messprinzip, in der Genauigkeit und in der Eignung für bestimmte Anwendungen.

ToF eignet sich besonders für schnelle 3D-Erfassung in Echtzeit und bewegte Objekte.

Stereo Vision ist sinnvoll, wenn präzise Punktwolken und ein flexibler Messbereich gefragt sind.

Structured Light bietet die höchste Detailgenauigkeit und wird häufig für Vermessung und Inspektion eingesetzt.

Welches Verfahren am besten passt, hängt von Anforderungen wie Geschwindigkeit, Genauigkeit, Reichweite und Umgebungslicht ab.

Warum werden Tiefendaten benötigt?

In der industriellen Bildverarbeitung reichen zweidimensionale Bilder häufig nicht aus. Anwendungen wie Bin Picking, Robotik, Qualitätskontrolle oder autonome Navigation benötigen zusätzlich Tiefendaten, um Abstände, Positionen und die räumliche Ausdehnung von Objekten zuverlässig zu bestimmen. Dadurch können Maschinen nicht nur erkennen, welche Objekte sich in einer Szene befinden oder welche Merkmale diese besitzen, sondern auch deren räumliche Lage, Entfernung und Volumen erfassen. Dies ermöglicht beispielsweise eine präzise Robotersteuerung.

Time-of-Flight (ToF), Stereo Vision und Structured Light verfolgen unterschiedliche technische Ansätze zur Tiefenerfassung. Das Ergebnis haben sie jedoch gemeinsam: Sie erzeugen Tiefenkarten oder dreidimensionale Punktwolken, aus denen sich räumliche Informationen ableiten lassen.

Wie funktioniert Time-of-Flight (ToF)?

Time-of-Flight-Kameras arbeiten nach dem Prinzip der aktiven Distanzmessung. Die Kamera sendet Licht aus und misst, wie lange das Licht (in der Regel von einem Laser) bis zum Objekt und zurück zum Sensor benötigt. Aus diesen Informationen lässt sich die Entfernung zum Objekt berechnen.

Grundsätzlich wird zwischen direkter und indirekter Laufzeitmessung unterschieden. Bei der direkten Laufzeitmessung wird die tatsächliche Zeit bestimmt, die das Licht für den Hin- und Rückweg benötigt. Industrielle ToF-Kameras basieren jedoch häufig auf dem sogenannten indirect Time-of-Flight (iToF). Dabei wird die Entfernung aus der Phasenverschiebung zwischen ausgesendetem und empfangenem Lichtsignal berechnet.

Ein wesentlicher Vorteil von ToF-Systemen besteht darin, dass die Tiefeninformationen für jedes Pixel gleichzeitig erfasst werden können. Mit iToF sind hohe Bildauflösungen mit sehr hohen Frameraten möglich. Dadurch eignen sich ToF-Kameras besonders für schnelle Prozesse und bewegte Objekte.

Stärken von Time-of-Flight

  • Schnelle 3D-Erfassung in Echtzeit
  • Tiefeninformationen für alle Bildpunkte in einer Aufnahme
  • Gut für bewegte Objekte geeignet
  • Vergleichsweise einfache Systemintegration
  • Robuste Distanzmessung über größere Arbeitsbereiche
  • Kostengünstige Lösung für viele industrielle 3D-Anwendungen

Grenzen von Time-of-Flight

  • Typischerweise geringere Genauigkeit als hochauflösende Stereo- oder Structured-Light-Systeme
  • Mehrwegeffekte können Messergebnisse beeinflussen
  • Reflektierende Oberflächen können die Messqualität reduzieren
  • Abhängigkeit von aktiver Beleuchtung
  • Messbereich ist durch Sensor- und Beleuchtungstechnik begrenzt

Wie funktioniert Stereo Vision?

Stereo Vision orientiert sich am menschlichen Sehen und nutzt mindestens zwei Kameras, die dieselbe Szene aus unterschiedlichen Blickwinkeln erfassen. Aus den Bildunterschieden wird die Tiefe mittels Triangulation berechnet. Dabei wird die Entfernung eines Objekts anhand geometrischer Beziehungen zwischen den Kamerapositionen bestimmt.

Bei der passiven Stereo Vision erfolgt die Tiefenbestimmung ausschließlich anhand vorhandener Bildmerkmale. Das Verfahren funktioniert besonders gut, wenn die Oberfläche eines Objekts ausreichend Struktur oder Textur aufweist.

Bei texturarmen, einfarbigen oder spiegelnden Oberflächen kommen häufig aktive Stereo-Vision-Systeme zum Einsatz. Dabei projiziert ein Projektor ein zufälliges oder definiertes Punktemuster auf die Szene, sodass die Tiefenberechnung auch unter schwierigen Bedingungen zuverlässig funktioniert.

Aktive Stereo Vision bildet damit die Brücke zwischen klassischer Stereo Vision und Structured Light. Moderne industrielle 3D-Kameras kombinieren die Vorteile der Triangulation mit einer gezielten Texturprojektion.

Stärken von Stereo Vision

  • Hohe Messgenauigkeit, Robustheit
  • Detaillierte Punktwolken
  • Flexible Anpassung an unterschiedliche Messbereiche
  • Sehr gut für Bin Picking geeignet
  • Aktives Stereo funktioniert auch bei texturarmen (glatten oder einfarbigen) Objekten

Grenzen von Stereo Vision

  • Aufwendigere Kalibrierung als bei ToF-Systemen
  • Höherer Rechenaufwand
  • Passives Stereo benötigt ausreichend Oberflächenstruktur
  • Verdeckte Bereiche können Datenlücken verursachen
  • Bewegte Objekte können die Messqualität beeinflussen
  • Empfindlicher gegenüber Umgebungslicht

Wie funktioniert Structured Light?

Structured-Light-Systeme projizieren definierte Lichtmuster auf ein Objekt. Typische Muster sind Streifen, Linien oder Gitterstrukturen. Eine Kamera erfasst anschließend die Verformung dieser Muster auf der Objektoberfläche.

Da Form und Position des projizierten Musters bekannt sind, kann die Geometrie des Objekts mit hoher Präzision berechnet werden. Auch Structured Light basiert auf Triangulation, nutzt jedoch zusätzlich die aktive Projektion eines bekannten Musters.

Durch die kontrollierte Projektion lassen sich sehr detaillierte Oberflächenrekonstruktionen erzeugen. Deshalb wird Structured Light häufig für Vermessungs- und Inspektionsaufgaben eingesetzt.

Stärken von Structured Light

  • Sehr hohe Messgenauigkeit
  • Detaillierte Rekonstruktion von Oberflächen
  • Hohe Auflösung der 3D-Daten
  • Geeignet für Vermessungs- und Inspektionsaufgaben
  • Sehr gute Ergebnisse bei kleinen bis mittelgroßen Objekten

Grenzen von Structured Light

  • Empfindlich gegenüber starkem Umgebungslicht
  • Bewegte Objekte erschweren die Messung
  • Meist begrenzte Reichweite
  • Zusätzlicher Projektor erforderlich
  • Höhere Systemkomplexität

Wie unterscheiden sich ToF, Stereo Vision und Structured Light?

Kriterium

ToF

Stereo Vision

Structured Light

Messprinzip

Laufzeit- bzw. Phasenverschiebung

Triangulation aus mehreren Kamerabildern

Musterprojektion und Triangulation

Reichweite

mittel bis hoch

flexibel

kurz bis mittel

Genauigkeit

mittel bis hoch

hoch

sehr hoch

Bewegte Objekte

sehr gut geeignet

gut geeignet

eingeschränkt geeignet

Umgebungslicht / Outdoor

gut geeignet

gut geeignet

weniger geeignet

Texturlose Oberflächen

gut geeignet

gut geeignet (aktiv) / eingeschränkt geeignet (passiv)

sehr gut geeignet

Systemkomplexität

gering

mittel

hoch

Relative Kosten

gering

mittel

mittel bis hoch

Welches 3D-Verfahren sollte ich wählen?

Wenn eine schnelle Tiefenerfassung in Echtzeit erforderlich ist und auch bewegte Objekte zuverlässig erfasst werden sollen, ist Time-of-Flight häufig die erste Wahl. Das Verfahren liefert Tiefendaten mit nur einer Aufnahme, ist oft vergleichsweise kostengünstig umsetzbar und eignet sich besonders für Robotik-, Logistik- und Automatisierungsanwendungen.

Wenn hochauflösende Punktwolken und präzise 3D-Daten benötigt werden, bietet Stereo Vision häufig den besten Kompromiss aus Genauigkeit und Flexibilität. Aktive Stereo-Vision-Systeme ermöglichen zudem die zuverlässige Erfassung von Objekten mit geringer Oberflächenstruktur und haben sich insbesondere im Bin Picking etabliert.

Wenn maximale Messgenauigkeit sowie eine besonders detaillierte Rekonstruktion von Oberflächen gefragt sind, wird häufig Structured Light eingesetzt. Das Verfahren eignet sich besonders für Vermessungs-, Prüf- und Inspektionsaufgaben.

Die Wahl des geeigneten 3D-Verfahrens hängt von den Anforderungen der jeweiligen Anwendung ab. Entscheidend sind dabei Faktoren wie Genauigkeit, Geschwindigkeit, Reichweite und Umgebungsbedingungen.

Anwendung

Empfehlung

Begründung

Bin Picking

Stereo Vision

Liefert detaillierte Punktwolken für die zuverlässige Objekt- und Griffpunkterkennung.

Palettierung und Logistik

ToF oder Stereo Vision

Große Arbeitsbereiche und schnelle 3D-Erfassung stehen im Vordergrund.

Qualitätskontrolle

Structured Light

Besonders geeignet für präzise Geometrie- und Oberflächenmessungen.

Robotik und Navigation

ToF

Echtzeitfähige Distanzmessung auch in dynamischen Umgebungen.

Medizinische Vermessung

Stereo Vision oder Structured Light

Hohe Genauigkeit bei der Erfassung von Oberflächenstrukturen.

Landwirtschaft und Outdoor-Anwendungen

ToF

Gute Eignung für größere Distanzen und wechselnde Umgebungsbedingungen.

Welche IDS-Produkte decken diese Verfahren ab?

DS bietet sowohl 3D-Kameras auf Basis von Time-of-Flight als auch aktive Stereo-Vision-Systeme an und ermöglicht damit Lösungen für ein breites Spektrum industrieller 3D-Anwendungen.

Ensenso: aktive Stereo Vision für präzise 3D-Daten

Ensenso-Kameras basieren auf aktiver Stereo Vision und kombinieren Stereo-Kameras mit einer integrierten Texturprojektion. Dadurch lassen sich auch Objekte mit geringer Oberflächenstruktur zuverlässig erfassen.

Für Anwendungen wie Bin Picking, Robotik oder Automatisierung unterstützt die FlexView-Technologie zusätzlich die Erzeugung dichterer und vollständigerer Punktwolken durch die Zusammenführung mehrerer Aufnahmen.

Typische Einsatzgebiete

  • Bin Picking
  • Robotik
  • Automatisierung
  • Objekterkennung
  • Qualitätskontrolle

Mehr erfahren:

Nion: indirect Time-of-Flight für Echtzeit-3D-Erfassung

Die Nion 3D-ToF-Kameras basieren auf dem indirect Time-of-Flight-Verfahren und liefern hochauflösende Tiefendaten in Echtzeit. Der integrierte 1,2 MP ToF-Sensor ermöglicht eine schnelle und zuverlässige 3D-Erfassung auch bei bewegten Objekten und anspruchsvollen Umgebungsbedingungen.

Mit der Schutzart IP67 und der Eignung für den Außenbereich sind die Kameras optimal für industrielle Anwendungen in Bereichen wie Logistik, Robotik und Automatisierung ausgelegt.

Typische Einsatzgebiete

  • Mobile Robotik
  • Logistik
  • Navigation
  • Palettierung
  • Automatisierung

Mehr erfahren:

Wie deckt IDS Structured-Light-Anwendungen ab?

Viele Anwendungen, die traditionell mit Structured-Light-Systemen umgesetzt werden, können heute auch mit aktiver Stereo Vision realisiert werden. Durch die Kombination aus Triangulation und Texturprojektion decken Ensenso-Systeme zahlreiche Anwendungsfelder wie Bin Picking, Robotik oder industrielle 3D-Inspektion ab.

Bei Fragen zur Auswahl des passenden 3D-Verfahrens oder zur Umsetzung konkreter Anwendungen unterstützt unser Team Sie gerne.

IDS, Oliver Senghaas
Oliver Senghaas
Head of Marketing

Oliver Senghaas leitet seit 2011 als Head of Marketing bei IDS die globale Marketingstrategie. Er verantwortet die Unternehmenskommunikation, Markenführung sowie digitale Kampagnen, die inhaltliche und funktionale Weiterentwicklung der Unternehmenswebseiten und des B2B-Webstores und die Erstellung technischer Dokumentationen. Sein Schwerpunkt liegt darauf, Technologie und Kreativität zu verbinden, um IDS im Bereich industrieller Bildverarbeitung klar zu positionieren.

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